, 29. Oktober 2007 14 Kommentare

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17 Jahre Schweiz. Am 29.10.1990, es war auch ein Montag.

8 Uhr c.t. erste Vorlesung “Arbeits- und Entscheidungstechnik” bei Prof. Cuno Pümpin.

10 Uhr “Einführung in die Volkswirtschaftslehre” bei Prof. Heinz Zimmermann. (Wir waren der letzte Jahrgang, der nicht Block-Vordiplome schrieb, sondern einzelne Zwischenprüfungen. Ich wusste an diesem Tag noch nicht, dass ich “VWL I” sechsmal verschieben würde, um bis zur allerletzten Durchführung im Oktober 1993 zu warten.)

12 Uhr weiss ich nicht mehr, vermutlich nichts. 14 Uhr “Begrüssung der neueintretenden Studierenden” durch Rektor Prof. Rolf Dubs in der Aula (das Foto ist etwa gleich alt, aber er hat sich kaum verändert; ich sehe ihn manchmal am Flughafen).

Gestern schrieb die NZZ am Sonntag “Jetzt gehen sie wieder: Das Klima für Deutsche wird rauer. Die Ersten packen ihre Koffer und ziehen zermürbt nach Deutschland zurück.” (nicht online verfügbar) Ich hab mich erst geärgert, schon wieder dieses doofe Thema, aber dann hab ich ihn gelesen, und vieles stimmt eben doch – in beide Richtungen natürlich. (Ich schreib noch was bei medienlese.com über den schamlosen Klau meiner Lieblingsliste ohne Quellenangabe. Journalistisches Umfeld halt, ts ts, keine Prinzipien… :-)

Die SF-Doku “Die Deutschen kommen” vor einigen Monaten habe ich vorsichtshalber nicht angeschaut. Ich hatte sie via Bluewin TV aufgenommen, und meine Freundin (9 Jahre Schweiz) hat sie entdeckt, als ich nicht da war. Als sogar sie, die sonst einigermassen hartgesotten ist, sagte, sie sei hinterher recht deprimiert gewesen, hab ich es lieber gelassen.

Für die Wahlen neulich habe ich natürlich Werbung für Jacqueline gemacht. Per Banner, das ging noch, per E-Mail, da kamen schon ein paar spitze Bemerkungen, und zuletzt noch bei einer Schweizer Freundin per IM. Als ich ein paar Tage vor der Wahl nachfragte, ob sie schon gewählt habe, schrieb sie: “wie kommst du denn dazu, als deutscher dich hier einmischen zu wollen ?? ich sage dir auch nicht, dass du den und den wählen sollst in deutschland.”

Das ist sicher richtig, das tut sie nicht. Ich versuche, nie auf Konfrontationskurs zu gehen. Zuletzt ist es mir doch passiert am Ostersonntag 2007 mit einem Busfahrer am St. Galler Hauptbahnhof. Ich hatte 30 Sekunden lang mit meinem SG-Kennzeichen im Parkverbot gestanden, um das Blogwerk-Postfach zu leeren (notabene auf einer Stelle, auf der das Parken bis zwei Wochen vorher 100 Jahre lang erlaubt war, die Busse kamen also locker durch – aber das tut nichts zur Sache). Als ich aus der Post kam, war er zuerst durchaus freundlich, bis ich mich dummerweise auf Hochdeutsch entschuldigte, es sei nur ganz kurz gewesen. Seine Laune kippte merklich und er stellte sofort auf “Bei uns in der Schwyz parkiert man nicht im Parkverbot” um. Ein Wort gab das andere, “die Anzeige ist unterwegs”, ich brüllte im Wegfahren, ich sei jetzt 16 Jahre da und “zahle sicher doppelt so viele Steuern wie Du”. Was in so einer Situation genauso irrelevant ist wie das Argument, dass man dort vor zwei Wochen noch park(ier)en durfte. Ich fuhr nach Hause, stocksauer, und brach beim Frühstück, klassisch, einen unnötigen Streit vom Zaun.

Deswegen versuche ich sonst, solche Ereignisse sofort wieder zu vergessen, was meist auch sehr gut klappt. Entsprechend lese ich auch die vielen Deutschengeschichten immer so, als seien nur Leute betroffen, die eben erst seit den “Bilateralen” hergekommen sind. Selbst schuld, wenn Ihr immer mit der Masse lauft! Typisch deutsch!

Dummerweise sieht man mir die 17 Jahre nicht an; und da ich kein Schweizerdeutsch rede, muss ich auch immer noch explizit sagen, dass ich es sehr gut verstehe. Und so merke ich, dass ich immer noch eine kleine Hemmschwelle habe, bevor ich den Mund aufmache und das erste Wort Hochdeutsch rauskommt. Natürlich, beim Bäcker habe ich keine Wahl. Aber manchmal geht es auch wortlos, etwa wenn ich zusammen mit meinem Sohn an jemand anderem mit Kind vorbeischiebe. Er plappert sowieso fröhlich St. Gallerdeutsch vor sich hin, und wenn es bei mir mit einem Lächeln oder einem Kopfnicken geht (an guten Tagen kann ich sogar “Grüezi” sagen, ohne dass es auffällt, man kann es ja auf “-zi” reduzieren, dann geht’s prima), dann fühle ich mich unerkannt und hier sehr zuhaus.

Ähm. Mist, Thema verfehlt. Blöde NZZaS. Eigentlich wollte ich schreiben, dass es mir hier sehr gut gefällt und dass ich wohl nirgends anders mehr leben möchte. Wo auch? Hier fühle ich mich gelegentlich fremd, aber in Deutschland fühle ich mich immer viel fremder. Ich mach mal den unteren Teil des Beitrags auf “Weiterlesen”; vielleicht sehen ihn dann nicht alle.

Kategorie: Leute