14. Februar 2008 14 Kommentare

Aus aktuellem Anlass und weil Sixtus über die Uhrzeit twitterte. Mir hat das mit den Hausdurchsuchungen mal ein Hauptmann der Zürcher Kantonspolizei erklärt.

Hausdurchsuchung Klaus Zumwinkel
Abtransport der beschlagnahmten Akten vor dem Haus von Post-Chef Klaus Zumwinkel heute morgen (Foto Keystone, Martin Meissner)


Sie versuchen immer zu kommen, wenn man noch zuhaus ist, am besten noch schläft. Wer schläft, kann nicht schnell noch was in den Aktenvernichter schieben, wenn die Autos vorfahren, nehme ich an. In Deutschland also um sieben, wie heute gesehen, in der Schweiz lieber um kurz vor sechs.

Sie kommen mindestens zu fünft. Wenn es irgendwo in einem Kaff ist, ist immer der Gemeindepolizist als Vertreter der lokalen Polizei dabei (der den Durchsuchten dann vermutlich persönlich kennt), zwei Polizisten, zwei Leute von der Staatsanwaltschaft. Der Hausherr öffnet in Unterhosen die Tür, die Obrigkeit schiebt ihn an die Seite und fängt an mit Beschlagnahmen. Meist wird vermutlich nicht wirklich durchsucht, wie man es aus Filmen kennt (alle Schubladen aufziehen, hinter den Bildern den Tresor suchen), sondern einfach flächendeckend alles mitgenommen, was nach Datenträger aussieht – siehe auch bei Zumwinkels. (Ich frage mich, ob die Umzugskiste und die Weinkiste vom Schloss Vollrads – Claim: “Phönix aus der Flasche”! – aus Zumwinkels Keller oder von einem der Staatsanwälte stammt.)

Das heisst, man steht hinterher ohne Ordner (das könnte ich persönlich gut verkraften) und ohne Computer da, und zwar zuhaus und im Büro. Und natürlich auch ohne Backup, weil sie die USB-HD auch mitnehmen. Der schönste Disaster-Recovery-Plan hilft also nichts, es sei denn, man hat Offsite-Backups, die weder zuhaus noch im Büro liegen.

Interessant zu wissen wäre an dieser Stelle, ob sie die Apple Time Capsule auch schon als Storage-Device erkennen. Wäre doch sonst ein super Verkaufsargument für Steuerhinterzieher.

Das ganze sei überhaupt keine schöne Sache, wenn man dabei sei, vor allem, wenn der Betroffene Kinder habe, die aufwachen und sich verstört fragen, was da vor sich geht mit den fremden Männern im Haus. Meinte, wie gesagt, alles der Herr von der Kapo. Das Zumwinkel-Aktenabschleppfoto von heute ist nur ein Symbolfoto für diese eineinhalb Jahre alte Geschichte (die er mir damals nach den Swissfirst-Hausdurchsuchungen erzählt hatte).

Sixtus hat also recht: Lieber Steuern zahlen, oder zumindest zusehen, dass man diese Eskalationsstufe nicht erreicht.

Kategorie: Leute