15. Januar 2009 25 Kommentare

Robert Basic verkauft Basic Thinking, und heute Abend um 19.50 Uhr läuft die eBay-Auktion aus.

Von vielen wurde spekuliert, das sei nur ein PR-Gag, aber ich habe es ihm seit seiner ersten ernsthaften Ankündigung («Zeit, dass sich was dreht») geglaubt. Der Typ ist halt so, und das macht ja auch seinen Charme aus. Und nach dem Riesenbuzz, den er generiert hat, kann er inzwischen wirklich nicht mehr gut zurück.

Apropos Buzz: Es hat schon eine gewisse Ironie, dass die «klassischen Medien», die den Bloggern gern vorwerfen, alle würden nur voneinander abschreiben, nun ohne Ausnahme auf diese mittelprächtig wichtige Nachricht aus der Blogosphäre aufspringen. Mittelprächtig wichtig? Genau. Natürlich, Basic Thinking ist das meistverlinkte Blog, aber genau das ist eben das Blogger-Insider-Kriterium, das von aussen betrachtet doch gar nicht so wichtig ist. Beim Traffic ist er selbst unter den Blogs nur auf Platz 25 (aktuell natürlich wegen des Verkaufs zehn Plätze hochgeschossen) und unter allen deutschen Websites kommt er vermutlich bei den Page Impressions auf Platz 300 oder so. Nein, ich bin nicht neidisch auf seine Medienpräsenz, er spielt die Klaviatur hervorragend – der Hype wundert mich trotzdem. Ich glaube, wenn turi2 das Ding nicht am ersten Tag gross gebracht hätte, wäre es nicht so rübergeschwappt. Ich hörte, dass ein Chefredakteur es dort gelesen habe, und deswegen musste eine renommierte Zeitung auch etwas darüber bringen. Soviel zum Thema Selbstreferentialität.

Zurück Verkauf. Er meint es also ernst. Schon vor dem Auslaufen der Auktion verabschiedet er sich langsam von den Lesern, verlinkt «zum letzten Mal für alle Nachteulen ein Night-Video» und so weiter. (Als würde ihm heute Abend um 19.50 Uhr automatisch das Passwort entzogen… Aber wenn das seine Deadline sein soll, dann ist sie es.)

Was ich dagegen nicht begreife, ist der «Mindestbetrag», den er bei eBay eingestellt hat und nicht kommuniziert. In einem «Zeit»-Interview sagt er zwar, er würde den Grossteil des Erlöses spenden, aber auch, dass er auf eine «superhohe Summe» hoffe, und leichtsinnigerweise nennt er hier sogar eine Zahl:

In unserer Gesellschaft werden Werte eben immer auch in Geld gemessen, und wenn ich damit zwei Millionen mache, sagen sicher viele, wow, Blogs müssen echt wichtig sein.

Davon träumt er also: zwei Millionen. Die Auktion steht jetzt bei 26.050 Euro. Natürlich, bei eBay wie bei Auktionen generell passiert das meiste in der letzten Schlussphase (Erinnert sich noch jemand an die UMTS-Auktion, mit der die deutschen Telkos sich kollektiv an den Rand des Abgrunds gezockt haben?), aber ich bezweifle, dass heute Abend um 19.50 Uhr Verlagsmanager vor dem PC sitzen und zitternd vor Aufregung «3 – 2 – 1, meins!» flüstern.

Basic mutmasst in einer Erläuterung zur Auktion:

Ich habe nun schon mehrfach mitbekommen, dass auch große Unternehmen daran Interesse haben, nur sind die langen Entscheidungswege ein echtes Problem, da die Auktion eben 7 Tage läuft.

Da bin ich gar nicht sicher. Natürlich gibt es oft in grossen Firmen lange Entscheidungswege, aber da dieses Thema so publik ist in Medienunternehmen und auch deren Chefs die Branchendienste lesen, wissen alle davon, man muss also niemandem intern mehr etwas erklären (ausser was man damit machen will). Nein, für so behäbig halte ich deutsche Medienhäuser nicht mehr.

Am schlimmsten für den Entscheidungsprozess ist aus meiner Sicht, dass immer noch darunter steht: «Mindestpreis nicht erreicht». Niemand weiss, wie hoch dieser Mindestpreis ist.

Ich glaube, hier müsste man eher über Spieltheorie nachdenken (von der ich leider nichts verstehe, aber @turi2 oder @meedia, interviewt doch heute Mittag bitte einen Spieltheoretiker, ich habe leider keine Zeit), was dieser Mindestpreis bewirkt.

Meiner Meinung nach sendet dieser ein verqueres Signal: Basic kommuniziert im Blog, dass er auf jeden Fall verkaufen will, aber der «Mindestpreis» sagt das Gegenteil. Vielleicht hat er ihn auf 250.000 Euro gesetzt? Vielleicht auf eine Million?

Wenn sich nun heute Nachmittag welche Leute auch immer zusammensetzen, um jemanden zu delegieren, der bei der Auktion heute Abend in ihrem Namen bieten soll, gibt es neben der Unbekannten der anderen Auktionsteilnehmer (Wieviel bieten die?) auch die Unbekannte Basic/Mindestpreis (Unter welchem Betrag wird die Auktion quasi abgeblasen?). Und während man es wohl als «fair» empfinden muss, bei einer Auktion gegen andere zu verlieren, die einen höheren Preis bieten, könnte ein hoher Mindestpreis leicht als Basic’sche Verarsche empfunden werden.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass diese zweite Unbekannte dazu führt, dass einige heute sagen: Ach, lassen wir es, zu kompliziert. Weil sie nämlich den Betrag bei ihrem Chef anfragen müssen, und wenn sie dem dann morgen früh erklären müssen, dass das gemeinsam ausgeheckte Gebot nicht für den Mindestpreis reichte, sieht’s doch irgendwie für alle doof aus. Dummerweise könnten das die mit dem vielen Geld sein.

Fazit: Wenn ich Basic wäre, würde ich den Mindestpreis heute Vormittag noch kommunizieren.

Kategorie: Wirtschaft